Erklärung von Professorinnen und Professoren der Theologischen Fakultät Luzern zur Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der „Priesterbruderschaft Pius X.“
04.02.2009Nach der jüngst erfolgten Rücknahme der Exkommunikation für die vier von Erzbischof Marcel Lefebvre gegen den Willen des damaligen Papstes geweihten Bischöfe der Priesterbruderschaft Pius X. sorgen wir uns um die Entwicklung und das öffentliche Ansehen unserer Kirche und nehmen aus dieser Sorge heraus Stellung.
Es schmerzt uns, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen konnte, in der katholischen Kirche sei ein legitimer Ort für die Leugnung der Shoah vorhanden. Die Äusserungen von Bischof Richard Williamson sind und bleiben unerträglich. Mit dieser Position stellt er sich klar ausserhalb der kirchlichen Gemeinschaft.Die Theologische Fakultät der Universität Luzern partizipiert intensiv am politischen und gesellschaftlichen Diskurs über Werte und Normen. Sie fördert aktiv den ökumenischen Prozess zwischen den christlichen Kirchen und gehört zu den engagiertesten Fakultäten im Bestreben um die theologische Reflexion des christlich-jüdischen Gesprächs und seiner Grundlagen (mit einer Professur schon seit 1971 und mit dem Institut für Jüdisch-Christliche Forschung seit 1981). Zurzeit bemüht sie sich um die Etablierung des interreligiösen Gesprächs mit dem Islam als einer der grossen Herausforderungen unserer Zeit.
Die Schwerpunkte der Arbeit der Fakultät basieren auf den Entscheidungen und Einsichten des Zweiten Vatikanischen Konzils. Mit der Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe entsteht nun in der Öffentlichkeit der Eindruck, diese Basis stünde zur Disposition, da wesentliche Entscheidungen des Konzils von den Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X. nicht anerkannt werden, darunter insbesondere die Erklärung über die Religionsfreiheit und die mit dem Konzilstext „Nostra Aetate“ verbundene Auffassung des Verhältnisses von Kirche und Judentum.
Es muss in aller Klarheit festgehalten werden, dass die Aufhebung der Exkommunikation nicht die Anerkennung der vertretenen Positionen bedeutet und auch nicht die volle Anerkennung als Bischöfe der katholischen Kirche beinhaltet. Sie bleiben von ihrem Amt suspendiert. Es geht vielmehr um einen ersten, vom Papst in der Sorge um die Einheit der Kirche getanen ausserordentlichen Schritt in einem langen Prozess der Annäherung gegenüber einer schismatischen Splittergruppe. Die jüngsten Äusserungen der fraglichen Bischöfe lassen dabei wenig Hoffnung auf rasche Fortschritte zu. Von päpstlicher Seite wurde zugleich während der Generalaudienz am 28. Januar 2009 festgehalten, was uns unverzichtbar erscheint: Die volle Einheit mit der Kirche beruht auch auf der Anerkennung des Zweiten Vatikanischen Konzils.
Wir wünschen uns ein Entgegenkommen des Papstes nun auch gegenüber Personen und Positionen, die wesentlich näher an der Einheit mit der katholischen Kirche stehen. Wir denken dabei vor allen Dingen an einige Vertreter der Befreiungstheologie.
Wir sind sehr besorgt, dass das Entgegenkommen gegenüber den fraglichen Bischöfen innerkirchlich als Ermutigung zur Abschottung von der Gesellschaft und Kultur, deren Teil wir sind, und als Bestärkung antiökumenischer und antijudaistischer Strömungen verstanden werden könnte. Wir schliessen uns der Aufforderung der Tübinger Kollegen an und „rufen die Bischöfe, alle Kolleginnen und Kollegen im akademischen Lehramt, alle mit der Verkündigung Beauftragten und alle katholischen Christen und Christinnen auf, das Erbe dieses (sc. des Zweiten Vatikanischen) Konzils standhaft einzufordern und zu verteidigen“.
Luzern, 4. Februar 2009
Monika Jakobs
Walter Kirchschläger
Stephanie Klein
Adrian Loretan
Wolfgang Müller
Hans Münk
Markus Ries
Ruth Scoralick
Erklärungen anderer Fakultäten finden Sie unter http://www.theologie-und-kirche.de.
